Wagnis des Wiegens. Oder: Ich will nicht Heidi Klum sein

Nachdem ich in letzter Zeit doch recht faul war und ein paar Kilo zugelegt hatte, hat mich die Nachrichtensprecherin vor wenigen Wochen unsanft darauf hingewiesen, dass der Sommer vor der Tür steht und nach einen Monaten des unbeständigen Wetters irgendwann die Hundstage folgen.

Und da ich mir von Jahr zu Jahr neue Sommerkleider zugelegt habe und mich damit sozusagen durch – gefühlt – sämtliche Kleidergrößen gearbeitet habe, habe ich mir wie schon voriges Jahr – heuer wirklich vorgenommen, dass die aktuelle meine letzte sein wird.

Ab sofort sollte es nur noch bergab gehen!

Wenig motivierend. Zugegeben.

Ich will ja gar nicht Heidi Klum Konkurrenz machen (oder in meinem Fall einer 20 Zentimeter kleineren Version von ihr), auch weil mir Tom Kaulitz einfach überhaupt nicht gefällt, sondern lediglich 4-5 Kilo abnehmen, damit eben die alten Kleider wieder passen.

Da ich jedoch der absolute Anti-Diät-Typ bin, da ich nichts esse, was eine gute Diät unterstützt, und von dem was mir schmeckt, gerne zu viel – funktioniert Abnehmen bei mir nur über Bewegung. (Vor allem im Sommer, wenn dank Food-Festivals & Co. an nahezu jeder Ecke eine Verlockung wartet.)

Alles andere – um eventuelle Kritiker zu beruhigen – habe ich bereits probiert. Schwarzer Kaffee (eine Tasse davon soll nur eine Kalorie haben) schmeckt mir nicht und meine eh schon ausreichend vorhandene Energie wird dadurch offenbar verdreifacht, wodurch ich nach fünf Tassen (meine tägliche Dosis Koffein) wie ein Duracell-Hase durch die Wohnung laufe oder wie wild in die Computer-Tasten hämmere. Von zu vielen Bananen („Obst ist gesund! Du musst jede Menge davon essen!“) bekomme ich tagelang Verstopfung, von zu viel Wasser („Mindestens zwei Liter am Tag trinken!“) muss ich dauernd Pipi und kann mich nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren, zum Kochen ausgewogener Mahlzeiten fehlt mir meist die Zeit (sowie die Lust) und ganz ohne Schokolade – macht irgendwie sowieso nichts einen Sinn.

Run, Fräulein, run!
Nach meinem ersten Fehlversuch einer Fitness-Center-Mitgliedschaft vor einigen Jahren – ich habe drei Jahre Gebühren inklusive eines Trink-Abos bezahlt, die Räumlichkeiten aber nur ein Mal (bei der Anmeldung) von innen gesehen – habe ich nun also mit Laufen begonnen. Bzw. mit schnellem Gehen anfangs.

Ziemlich unangenehm, übrigens, wenn man aus Kostengründen beschließt, sich nicht gleich mit neuer Ausrüstung einzudecken (sonst hätte frau ja auch in neue Kleider investieren können), sondern sich in die Sachen zu pressen, die man mit 22 Jahren auch schon getragen hatte, weil sie ja noch so gut wie neu aussehen. (Kein Wunder. Ein Mal benutzt.) Denn zugegeben: In 10 Jahren verändert man sich. Nicht nur körperlich, sondern auch in puncto Kleidungsstil. Grell-Pink ist nicht mehr „cool“ und vor allem aber auch wenig schmeichelnd, wenn man sich mit hochrotem Gesicht durch die Stadt quält und dabei am liebsten unerkannt bleiben mag.

Sehnsucht: Schweizerhaus
Bis vor Kurzem wäre es schwierig gewesen hätte ich mich im Schweizerhaus in meinen Sommerkleidern auch hinsetzen wollen, immerhin sollen ja Stelze und Bier auch noch mit hineinpassen. Und neben unserem Tisch bewegungslos zu stehen und ein paar Stunden die Luft anzuhalten, während mein Mann genüsslich ein Krügerl nach dem anderen hebt, hätte wohl einige seltsame Blicke auf sich gezogen. (Außerdem will ich, die paar Mal im Jahr, die ich ausgehe wenigstens meinen Spaß haben.)

Nachdem sich das Gewicht anfangs erst erhöht hat (Wie jetzt? Auch ich habe Muskeln?) fängt es nun jedoch endlich langsam an zu sinken. Liegt vielleicht daran, dass ich auch nicht mehr dauernd die Luft anhalte, wenn ich auf die Waage steige. (Immerhin ist die Luft dann ja in mir und wird mitgewogen, was das Ergebnis ungemein verfälscht.) Ich habe also tatsächlich schon ein wenig abgenommen.

Und nun – bin ich gestern über eine Wurzel gestolpert und habe mich aufgeschürft. Laufe nun blau an, Schwellung inklusive. Wenig sexy. Vor allem in einem kurzem Fummel. Meine motiviert ausgepackten Sommer-Kleider habe ich entsprechend wieder in den Kasten gehängt, trage nun weite Jogging-Hosen. Von vor 10 Jahren. Mit Gummi-Zug. Sehr bequem. Und da öfters als einmal benutzt, auch ziemlich trendy ob des Vintage-Looks. Laufen gehe ich morgen wohl auch nicht. Zu sehr schmerzt noch der geschundene Körper. Gottseidank liegt die Trost-Schokolade bereit. Sicherheitshalber in der Familienpackung. 

Raupe müsste man sein. Fressen und schlafen. Fressen und schlafen. Zack – hübsch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

CAPTCHA *