Mein Erstes Mal… in einem Cocktail-Kurs

Im Gegensatz zu James Bond habe ich nur einen Anspruch an den perfekten Drink: Er soll schmecken! Dabei ist es mir vollkommen egal, ob er geschüttelt oder gerührt ist…

Nachdem es jedoch heißt: Selbstgemacht schmeckt am besten, haben mein Mann und ich uns für einen gemeinsamen Cocktail-Kurs angemeldet.

„Beim Cocktail Workshop mitten in Wien wirst du zum Profi hinter der Bar“ war als Beschreibung auf jollydays.at ansprechend genug und der Zusatz „Natürlich wirst du deine Drinks in der modern ausgestatteten Bar auch fachmännisch verkosten“ überzeugte uns schlussendlich vollkommen. Wir sind ziemlich leicht zu begeistern? Ich weiß.

Voller Vorfreude und mit einer Portion „Huhn Süß Sauer“ als Unterlage fühlte ich mich ein wenig wie Piper Perabo in „Coyote Ugly“ – nur mit aufgeblähtem Bauch, weniger tänzerischem Können, etwas kleiner und schwarzen Haaren – und war zu 100 Prozent bereit für die Einweihung in die große Kunst der Piña-Colada-Zauberei.

Cocktail-Artist der Kellerbar

Beim ersten Anblick der Kurs-Location war sofort klar: Zumindest das Tanzen auf den Tischen konnte ich mir schnell mal abschminken. Beim Kursraum des Anbieters „Barpros“handelt es sich nämlich nicht um eine „modern ausgestattete Bar“, sondern um ein Büro/Lokal im Sutterain mit zwei aufgestellten Event-Bar-Elementen.

Aber, egal. Optisch trotzdem sehr nett. Und ich trotzdem, oder gerade deswegen, sehr motiviert. Denn genau wie Rocky in irgendwelchen stinkenden Kellern trainiert hatte, um Box-Weltmeister zu werden, konnte ich ja auch außerhalb einer Bar und eine Stufe unterhalb Wiens mixen lernen.

Teil 1: Der Theorieteil

Zur Begrüßung gab es gleich mal ein Getränk (Wermut mit Erdbeeren und Eis) und wir fühlten uns sofort willkommen. Meine Euphorie hielt an bis der Theorieteil begann. Also bis nach dem „Hallo! Bitte setzt euch mal!“ unseres Gastgebers. Selbstinszenierung ist nämlich nicht die größte Stärke unseres sonst sehr bemühten Trainers. In einer gefühlt nie enden wollenden, etwas unbeholfenen Präsentation, erklärte er uns jedes noch so kleine Zubehör aus dem Barbereich.

Die einzelnen Teile wurden in allen vorstellbaren Variationen – natürlich – auch herumgereicht und wie schon in der Schule damals, konnte ich der Begeisterung manch anderer Teilnehmer nichts abgewinnen. Langstielige Löffel mit Gravur, langstielige Löffel ohne Gravur, eine Art Sieb, noch eines,…

Ekel-Pickel statt „Eye of the tiger“

Quasi zur Einstimmung stellte sich unser Kursleiter zu Beginn selbst hinter die Bar und bereitete jene Cocktails, die wir nachher selbst mixen sollten, vorab mit ein paar Erklärungen alleine zu. – Um sie dann zur Verkostung durchzureichen.

Dabei nahm jeder Kursteilnehmer einen Strohhalm, probierte mit diesem das Getränk und gab das Glas dann weiter. Einige davon natürlich nicht, ohne davor nicht noch genüsslich jeden verbleibenden Tropfen auf dem Strohhalm abzuschlecken – bevor sie diesen in den nächsten uns gereichten Drink steckten.

Schon Schneewittchens sieben Zwerge schauten ganz genau hin, wenn es um ihr Geschirr ging. („Wer hat aus meinem Becherchen getrunken?“) – und genau das tat ich natürlich auch. Entsprechend habe ich mit der Weitergabe der Drinks bildlich auch die Weitergabe der Bakterien vor mir gesehen. Als ich an der Reihe war (als Letzte natürlich), habe ich also zwangsläufig jedes Mal die Luft angehalten, schnell den Strohhalm reingesteckt und kurz probiert. Auch ein von meinem Mann gemurmeltes „Alkohol tötet Bazillen“ (hätte auch ein „du musst fester dran ziehen“ sein können. Ich war zu paralysiert, um ihm genau zuzuhören) konnte nicht verhindern, dass mir langsam aber sicher ein Ekel-Pickel wuchs. Trotz köstlicher Drinks. Denn diese waren wirklich ausgesprochen gut.

Teil 2: Der praktische Teil

Mit jeder Runde wurde unser Cocktail-Yoda selbstbewusster im Auftreten und im Erklären, war er nun doch endlich in seinem Element. Kurz darauf ging auch schon der praktische Teil los und wir durften uns alle selbst als Cocktail-Shaker versuchen, natürlich nach Anleitung. Der vorhergehende Theorie-Teil machte nun auch gleich mehr Sinn. Zumindest für meinen Mann. Dieser erklärte mir nämlich geduldig noch einmal jeden Handgriff, zu dem ich zuvor in meinem „Ich-hasse-Theorie-Teile-denn-diese-erinnern-mich-alles-so-an-die-Uni“-Modus und in meinem „OMG-ich-bekomme-einen-Ekel-Pikel“-Dilemma die Erklärung überhört hatte. Bevor er sich selbst, wohl inspiriert von Tom Cruise in „Cocktail“, hinter das Bar-Element schwang. (Ich glaube, er hat auch ganz leise gesungen. Beschwören kann ich es aber nicht.)

Wie auch immer: Es war wirklich lustig und ganz toll! Wir haben uns gut mit den anderen Kurskollegen unterhalten, diverse Drinks (Vida Colada – wie Pina Colada, nur mit Kokosmark und naturtrübem Apfel-, statt Ananassaft; Winter Mule mit Beeren und Vodka oder Gin sowie einen Whiskey-Cocktail) gemixt und verkostet und dann sogar nocheine kleine Zusatz-Kostprobe vom Cocktail-Yoda bekommen. Welcher übrigens auch wirklich jede Frage geduldig beantwortete, wie in meinem Fall etwa: „Was ist der Unterschied zwischen den vielen Löffeln?“, „Welches Sieb soll ich nun für diesen Drink verwenden?“, „Wieso gibt es da so viele?“ oder einfach nur „Stirrer?“.

Zum Schluss hat er sogar noch eine Kostprobe seines wirklich beeindruckenden Könnens gegeben und eine kleine Akrobatikshow abgeliefert. (Hätte ja ruhig mal erzählen können, welche Preise er alle dafür bekommen hat! Das ist ja wirklich beeindruckend! Oder hat er das während des Theorieteils eh?) Und dann gab es auch noch Merchandise von Havanna als Geschenk. Julia im Glück.

Fazit: Ich kann einen solchen Cocktail-Kurs nur wirklich jedem empfehlen, vor allem, wenn man wie wir einen wirklich großartigen Kursleiter hat. Auch, wenn er den theoretischen Teil lieber jemand anderem überlassen sollte. Oder etwas mehr üben. Anhand seiner ausgeprägten und über Jahre sechs Stunden täglich trainierten Shaker-Künste sieht man ja: Übung zahlt sich aus. Sehr sogar!

Der Ekel-Pickel ist mittlerweile übrigens wieder weg.

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