Kitschlos quer durch Asien – in Wien

Zugegeben, asiatische Lokale gibt’s in Wien haufenweise. In vielen werden Klassiker wie „Acht Schätze“ oder Sushi serviert, einige Betriebe überzeugen aber auch durch moderne Interpretationen ihrer jeweilig traditionellen Herkunftsküche und kommen auch punkto Erscheinungsbild ohne Klischees aus. Wir haben ein paar Empfehlungen für Euch – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

# Chinesische Tapas – klein, aber oho

Groß ist es wirklich nicht, das vor Kurzem eröffnete Chinacy im 1. Bezirk (Johannesgasse 9-13). Und auch die Portionen, die man hier kredenzt, sind zum Großteil eher überschaubar. Das ist aber gut so, denn im farbenfroh und modern designten Lokal stehen chinesische Tapas auf der Speisekarte. Hauptspeisen gäbe es zwar auch, aber wir haben uns fürs Durchkosten und Teilen entschieden. Also ordern wir unter anderem Chicken-Wings mit Honig-Sauce (OH! Honey Wings), Popcorn Chicken, hausgemachte Wantan mit Schweinefleisch, Koriander und Szechuan Chili Sauce, eine chinesische Variante von Fish & Chips (umhüllt von getrockneten Algen und mit Sweet Potatoe Fries serviert) sowie Gua Bao – also Mini-Burger. Preislich beginnen die gar nicht mal so kleinen Portionen bei 4,20 Euro – das Preis-Leistungs-Verhältnis passt definitiv. Außerdem ist das Personal nett und bemüht.
Infos unter: www.chinacy.at

# Kreative China-Küche – zum Teil für Mutige

Der Name ist Programm: Im spartanisch eingerichteten kleinen Kiang Wine & Dine im Servitenviertel (Grünentorgasse 19, 9.) geht es von Dienstag bis Samstag ums Dinieren und Degustieren. Hier werden ebenfalls Tapas der etwas anderen Art serviert – sowohl vegetarisch als auch mit Fleisch oder mit Seafood. Die sind mit 5,80€ aufwärts zwar nicht ganz billig, weshalb ein Zickzackkurs über die Speisekarte durchaus eine gesalzene Tischrechnung zur Folge hat. Punkto Geschmack gehört das Lokal aber zu den besten Asia-Adressen Wiens. Besonders gut geschmeckt haben uns Xianbing – gebratene Burger mit Lammfleischfülle, der chinesische Burger mit geschmortem Schweinebauch, Jungzwiebeln und Koriander oder das Bang Bang Huhn auf Gurkenstreifen mit Sesam-Chili-Dressing. Für Mutige gäbe es auch „Challenging“-Gerichte: Etwa ein 100-jähriges Ei, pikanten Schweinsohrensalat oder pikant geschmortes Hühnerherz und Magen – wir geben aber zu, dass wir dieses Kapitel auf der Karte übersprungen und gleich zum Thema Wein weitergeblättert haben. Hier besonders zu empfehlen: Der Grüne Veltliner „Katharina“ von Jo Bauer.
Info: www.kiangwine-dine.com

# Vietnamesische Reispapierrollen zum Selbermachen

Mit dem Le Viet in der Albertgasse 51 (8.) hat Anna Nguyen neben dem gleichnamigen Lokal in der City und dem „Saigon“ in Ottakring heuer bereits das dritte vietnamesische Lokal in Wien eröffnet. Auch hier verzichtet man auf klischeehafte Optik, punkto Einrichtung könnte es sich um eine x-beliebige Bar handeln. Alles andere als austauschbar ist dagegen das kulinarische Angebot. Uns haben vor allem die Vorspeisenplatte bestehend aus knusprigen Garnelen in Mandelteig, frischen mit Avocado und Garnelen gefüllten Sommerrollen, Frühlingsröllchen mit Schweinefleisch und Curry-Rindfleischtäschchen, die gegrillten Jakobsmuscheln sowie der Avocado-Salat überzeugt. Auf der Karte stehen zudem Reispapiertaschen zum Selbermachen, eine große Auswahl für Vegetarier und Veganer sowie feine Weine aus Niederösterreich.
Info: www.leviet.at

# Schrilles Vietnam – Phos & Grillspezialitäten

Gut, über die Optik des kleinen Restaurants sowie Take-away-Ladens in der Wollzeile 17 (1.) kann man geteilter Meinung sein. Überdimensionale Spielzeugfiguren, kräftige Farben und an die Wände gekritzelte Telefonnummern verleihen Ivy’s Pho & Grill zwar ein ziemlich schrilles Ambiente. Die nach dem „Ivy’s Pho House“ auf der Mariahilfer Straße zweite Niederlassung von Gastroprofi Martin Ho und Namenspatronin Ivana Gebel überzeugt aber durch gleichermaßen authentische wie kreative Asia-Küche. Neben traditionellen Pho-Suppen und einer großen Auswahl an Dim Sum gehören vor allem die Grillspezialitäten zu den Verkaufsschlagern. Unser Tipp: Rind im Pfefferblatt und Hühnerbeinchen mit Zitronengras. Wer das kleine Gassenlokal als zu ungemütlich empfindet und in einem zentrumsnahen Bezirk wohnt, kann sich die Gerichte auch von Foodora liefern lassen.
Info: www.dotsgroup.eu

# Der etwas pummelige Buddha

Das Pumpui in der Obere Weißgerberstraße (3.) hat erst vor ein paar Wochen eröffnet, ohne Reservierung hat man aber bereits nahezu keine Chance mehr einen Sitzplatz zu ergattern, gilt das kleine hippe thailändische Lokal doch bereits jetzt als absoluter Geheimtipp in der City. Das Interieur-Design, wohl am besten mit Thai-Industrial zu beschreiben, ist ziemlich clean gehalten, mit einzelnen Dekostücken à la Buddha und Blumenkette und Wänden in den Nationalfarben. Das Essen ist hervorragend. Serviert wird Street-Food aus ganz Thailand, wie etwa ein klassisches Pad Thai (je nachdem, ob mit Huhn, Shrimps oder Tofu ab 9,50 Euro) und verschiedene Currys (auch ab 9,50 Euro). Zum Nachtisch gibt es unter anderem Thai-Palatschinken mit Banane (Thai Roti um 4,50 Euro). Tipp auch für alle Fans thailändischer Biere: Auf der Karte stehen Singha, Leo und Chang. Der Name „Pumpui“ bedeutet übrigens „etwas pummelig“ – so wie man sich fühlt, wenn man vor lauter Begeisterung etwas zu viel isst.
Info: www.pumpui.at

# Bloß ein Hauch von Bollywood

Typisch indischen Kitsch sucht man im In-Dish in der Schwarzenbergstraße 8 (1.) vergeblich. Zwar zieren ein paar ausgesuchte Bollywood-Plakate die Wände des gediegenen Restaurants, das mit einer Reihe von Logen auch die Möglichkeit für ungestörte Dinnerdates bietet. Sufian Ahmed Awan aus Zell am See, der nach seiner Ausbildung in London und New York, nunmehr die Wiener Innenstadt mit seinem progressiven Kulinarikkonzept bereichert, legt sonst aber Wert auf Eigenständigkeit. Indische Klassiker kombiniert er mit Einflüssen aus aller Welt. Wir empfehlen zum Start etwa den „Gol Gappa Shot“ – ein frittiertes Weizen-Kartoffelbällchen, das man mit Tamarinde-Joghurt-Minz-Sauce füllt. Unter den Vorspeisen haben uns Kartoffel-Käse-Tikki und Chicken Tikka Taco Cone überzeugt. Und als Hauptspeisen würden wir jederzeit wieder das klassische Silky Butter Chicken (zarte Hühnerbruststückchen aus dem Tandoor in cremig-feiner Makhani-Sauce) oder das Lamm Biryani, eine Reisspezialität aus dem Lehmtopf, wählen. Was uns besonders gefällt: Mit einem Sommelier wurde im In-Dish eine auf die Speisen abgestimmte Weinkarte zusammengestellt. Und Cocktails gibt es auch.
Info: www.in-dish.at

# Botschafter für Sri Lanka

Gut versteckt liegt das Colombo Hoppers in einem Innenhof der Schönbrunner Straße 84 (5.). Wüsste man es nicht, dass die Betreiberfamilie Abraham von Sri Lanka stammt – das unaufdringlich möblierte, in warmen Farben gehaltene Restaurant mit den dezenten Lounge-Tunes aus den Boxen gäbe keinen Hinweis darauf. Tatsächlich sind die Gastronomen aber die besten Botschafter für Sri Lanka (wie auch die tatsächliche Botschafterin in Wien kürzlich bemerkte): Aus der Küche schickt Mama Abraham traditionelle Gerichte, die sie gekonnt verfeinert. Restlos begeistert haben uns Papadams (Linsenmehlfladen) mit Dattelsauce, Hopper (eine schüsselförmige Palatschinke) mit Spiegelei und süßlich-pikantem Zwiebelsambal, die mit Rindfleisch gefüllte panierte Colombo-Rolle mit Paprikasauce und Balsamico sowie die gemischte Platte mit Rinder- und Hühner-Curry, Safran- und normalem Reis sowie Kürbis-, Champignons-, Fisolen-, Kraut- und Babykohl-Beilagen. Ebenfalls gut sind die gemischten gegrillten Meeresfrüchte (Muscheln, Riesengarnelen und Calamari) in Fischsauce sowie der brennheiße Devilled-Eisentopf mit Rostbraten und Gemüse. Und das Watalappan-Küchlein mit Palmenhonig, Kardamom und Kokosmilch stellte sich als zarte und gar nicht mal so pickig-süße Nachspeise heraus.
Info: www.colombohoppers.com

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