Ich kochte nicht!

Als ich heute in der Küche gestanden bin, um Quiche fürs Mittagessen zu machen, musste ich schmunzeln. Ich in der Küche. Vor wenigen Jahren war das quasi noch undenkbar. Statt stundenlang vor dem Herd zu stehen, habe ich immer sogenanntes “Fress-Hopping” betrieben. (Der Begriff “Fress-Hopping” bezeichnet den Besuch eines Lebensmittelmarktes nach dem anderen auf der Suche nach Essbarem, welches nicht ewig lange gekocht oder in besonderer Form zubereitet werden muss und bestenfalls sehr günstig ist.)

Meist auf der Suche etwa nach einem Eiaufstrich, fürs Abendessen, habe ich meine Augen mit gezieltem Blick über das Regal wandern lassen. Manchmal mit Unterbrechung dank bemühter Supermarktmitarbeiter: “Heute haben wir Faschiertes im Angebot. Ein Kilo um nur 3,99″. Stets dankte ich und erklärte, ich würde nicht kochen. Verwirrung. „Aber jeder hat doch eine Küche.“ Was ich ja nicht bestritten hatte. Also noch einmal: „Ja, auch ich habe eine Küche, aber ich koche darin nicht.“ Das Feedback: „Wir hätten auch kleinere Mengen abzugeben!“ Was wurde an der Formulierung, dass ich NICHT koche, nicht verstanden? Dass ich nur Miniatur-Gerichte koche? Ich weiß es nicht.

Lebensmittelfreier Haushalt
Grundsätzlich jedes Mal dasselbe. Die Reaktionen auf meinen quasi lebensmittelfreien Haushalt reichten von Entsetzen, über Unverständnis, bis hin zu Staunen auf den Gesichtern meiner Gegenüber. Vor allem leidenschaftliche Hausfrauen und Mütter konnten das meist gar nicht nachvollziehen und empfahlen jedes Mal einen Kochkurs. Fand ich nicht lustig. Denn ich hatte ja nie behauptet, dass ich nicht kochen könne – ich wollte nur nicht.
 (Bei hartnäckigen Freunden oder Männern, die ich meinte, beeindrucken zu müssen, machte ich manchmal eine Ausnahme. Dann kamen aufwendige Dinge, wie Zwiebelrostbraten auf den Tisch – nur um zu zeigen, dass ich es könnte… wenn ich wollte. Und dann: wollte ich eben nicht mehr.)

Ich war und bin weder Vegetarierin, noch Veganerin – mir ist egal, was ich esse, solange es schmeckt. Wäre ich Vegetarierin, würde ich wahrscheinlich elendig zu Grunde gehen. Bis ich Salate mühselig auseinander gerupft und gewaschen hätte, wäre ich verhungert. Und: Mit Mikrowelle oder Backofen oder gar einer Kombination aus beidem kann man Gerichte zaubern, die schon lange nicht mehr wie die Erzeugnisse eines schlechten Essen-auf-Rädern-Services aussehen.

Pizza und Packerlsuppe
Mein Leben bestand zwar nicht nur aus Pizza und Packerlsuppe, wie man nun annehmen könnte. Aber zugegeben, Fast-Food-Futter war schon günstiger, vor allem als ich Single war und Lebensmittel immer schon die Eigenschaft hatten, rasch zu verderben. Da investierte ich lieber in ein paar Schuhe mehr.

Oft wurde mir gesagt: “Du hast ja keine Ahnung davon, du kochst ja nicht” – auch wenn es um Obst ging und wo beim Zielpunkt dieses zu finden war. Ebenso bei der Auswahl oder Empfehlung von Restaurants oder besonders guten Gerichten. “Da kannst du ja nicht mitreden, du kochst ja nicht.” Ja schon, aber – ich aß. Und ich ging in Lokale. Und ich bekam auch ganz normal die Speisekarte und keine “Mikrowellen-Sonderedition”.

Manchmal wurde auch zaghaft gefragt: „Du hast auch keine Gewürze im Haus?“ Die Antwort: „Natürlich nicht!“ So hübsch, dass ich sie mir einfach nur so an die Wand hängen wollte, waren sie auch wieder nicht.

Wie auch immer. Nun koche ich. Gerne sogar. Und regelmäßig. Manchmal gibt es jedoch nach wie vor Fertiggerichte. Hauptsache, es schmeckt. Denn, das ist doch stets das Wichtigste.

Mahlzeit!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

CAPTCHA *