Corona-Krise: Wir bleiben alle zu Hause – und lassen uns gehen

Es ist vollkommen in Ordnung, sich auch einmal etwas gehen zu lassen. Und wann, wenn nicht jetzt, ist der passende Zeitpunkt dafür. Oder? 

Woche sechs der Ausgangsbeschränkung, des täglichen Home-Office und der damit verbundenen vielen Stunden daheim. Zeitpunkt, an dem man aufsteht: 7:53 Uhr. Arbeitsbeginn: 8 Uhr. Der Vorteil: Man verliert keine Zeit für den Anfahrtsweg. Der Nachteil: Ebenso wenig auch, um sich schick zu machen. 

Auf Facebook hat Letztens ein User voll Freude festgestellt: „Bei Skype-Calls kann man zwischendurch auch einen Schas lassen, wenn man das Mikro auf stumm stellen kann!“ Darunter kam nach wenigen Minuten als Kommentar: „Riechst du vom andern einen Furz war der Abstand wohl zu kurz.“ Ein anderer schrieb: „Ich dusche nur mehr an geraden Tagen“. Als Antwort folgte prompt: „Ich nur mehr an Tagen, an denen ich noch gerade stehen kann.“

Es scheint, als wäre die selbst auferlegte Mindestanforderung, wie man auszusehen hat, drastisch gesunken. Die Jogginghose hat sich als solides Arbeitsgewand durchgesetzt.

Hat man sich in den ersten Tagen noch Mühe gegeben, für den Ehemann, die anfallende Telefonkonferenz oder das Skype-Telefonat mit Freunden halbwegs gut auszusehen, lässt sich in Woche sechs eine gewisse „Wurschtigkeit“ feststellen. Typisch wienerisch entfährt einem nun ab und an sogar ein „Oida“, wenn man vor dem Kleiderschrank steht, um fünf Minuten vor dem angesetzten Call eine schicke Bluse zu suchen – die zeitgleich auch von den bereits etwas fettigen Haaren ablenken soll – bevor man das Bild der Webcam rasch mühevoll so positioniert, dass die ausgeleierte Leggings, die man darunter trägt auch bei etwaigen raschen Bewegungen nicht sichtbar wird. Und den Ehemann? Den versucht man nun eben mit den Kochkünsten anstatt mit optischen Reizen zu imponieren. Gottseidank gibt es genügend Restaurants, die liefern.

Je länger ich zu Hause bin, desto mehr schaue ich aus, als ob ich kein zu Hause hätte. 

Nach anfänglicher Panik, ein BH-Verzicht könnte zu Hängebrüsten führen, was von Frauenzeitschrift mittlerweile als Ammenmärchen abgetan wurde, habe ich seit drei Wochen keinen mehr getragen. Ebenso verzichte ich seit wenigen Tagen darauf, mir immer nur fünf Gummibären aus der Packung zu nehmen, um dann alle fünf Minuten fünf weitere zu holen, sondern ich esse sie alle gleich auf. Den Vorsatz, mehr Sport zu machen habe ich ad acta gelegt. Die Liste an Yoga-Studios mit Online-Workout-Möglichkeiten verlegt.  

Und weil sich alles wie ein ewiger Sonntag anfühlt, bin ich sogar schon im Pyjama zum Billa am Eck gegangen. Einziger Nachteil: Es war wirklich Sonntag. 

Ich führe ein Leben in Leggings, Shirt und Strickjacke. Gepaart mit dicken Wollsocken und Comic-Schlapfen. Dabei wird mir während ich diese Zeilen schreibe klar: Das kann so nicht mehr weitergehen! Denn, sind wir uns ehrlich: Mit Unterhose fühlt man sich im Home-Office gleich deutlich seriöser!

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